Marathon – Wissen


ZDF/TerraX — Film von Jens Dücker (2004); Quelle: Youtube.com

Marathon – ein besonderer Sport mit ungewöhnlicher Geschichte

Die Geschichte des Marathons

Die Wiege des Marathon steht in einer griechischen Ebene, wo im Jahre 490 vor Christus zwischen Persern und Athenern eine später berühmte Schlacht ausgetragen wurde. Dass die Perser dabei unterlagen, ermöglichte den Truppen der Athener einen schnellen Rückmarsch in ihre Heimatstadt. Dort benötigte man sie dringend, denn es galt, den persischen Angriff von der See her abzuwehren. Einer Legende nach soll der Bote Pheidippides die Strecke zwischen dem Dörfchen Marathon und der Stadt Athen in einem Lauf bewältigt haben, um dort die Siegesbotschaft zu verkünden und gleich danach zu sterben. Die olympische Disziplin des 42,195 Kilometer langen Marathon erinnert noch heute an diesen griechischen Botenläufer und seine sagenhafte Leistung.

Als im Jahre 1896 die Olympischen Spiele wieder aufgenommen wurden, fand der erste olympische Marathon der Neuzeit auf der traditionellen, mit der Legende von Philippines eng verbundenen Strecke zwischen Marathon und Athen statt. Diesen etwa 40 Kilometer langen Lauf gewann Spyridon Louis, der mit seinen Leistungen in die Geschichte des Sports einging. Er legte 1896 die klassische Strecke in 2:58:50 Stunden zurück. Schon einen Monat zuvor fand dort eine Griechenlandmeisterschaft statt an der sich elf Läufer beteiligten. An den Probeläufen in den Wochen vor den Olympischen Spielen beteiligten sich 38 Wettkämpfer, darunter auch der spätere Olympiasieger Spyridon Louis. Er war in diesem Lauf mit einer Zeit von 3:18:27 Fünfter geworden. Heute ist auch diese beliebte Laufstrecke auf die international festgelegte Länge für Wettläufe ausgelegt. Von Marathon führt sie, über Pikermi in der Mitte der Distanz, zum Zieleinlauf in das Panathinaikonstadion von Athen. Wegen ihres hohen Schwierigkeitsgrades ist sie unter Wettläufern berühmt. Interessant ist auch, dass man lange keine festgelegte Streckenlänge für den Marathon hatte. Je nach vorhandenen Möglichkeiten lief man unterschiedliche Distanzen zwischen 38 und 41 Kilometern. Als die Olympischen Spiele 1908 nach London kamen, musste die Strecke so ausgelegt werden, dass der Wunsch einer englischen Prinzessin erfüllt werden konnte, die von ihrem Fenster aus den Wettkampf verfolgen wollte. Damals hatte man die Strecke genau ausgemessen. Im Jahr 1921 wurde vom internationalen Verband für Leichtathletik (kurz: IAAF) die damals gemessene Strecke als verbindliche Distanz festgeschrieben. Die berühmten 42,195 Kilometer sind also mehr dem Wunsch einer Adligen und dem Zufall geschuldet als der Historie.

Marathon – eine nicht alltägliche Sportdisziplin

In den Jahren nach 1970 entwickelte sich das Laufen zu einem Breitensport. Dazu trug nicht unwesentlich die Trimm-dich-Bewegung bei, die ausdauerndes Laufen als gesundheitsfördernde Sportart propagierte. Im Zuge dieser Bewegung erhielt auch der Marathon mehr Aufmerksamkeit, da gut trainierte Langstreckenläufer nach neuen sportlichen Zielen suchten. Der Marathon gilt bis heute als die finale Herausforderung für viele Langstreckenläufer. Neben den Spitzensportlern findet man unter den Läufern, die an den mittlerweile weltweit immer zahlreicher werdenden Marathonveranstaltungen teilnehmen, immer mehr Sportler, die ihre Kraft und oft ihre gesamte Freizeit dem Training für diese Disziplin widmen. An vielen der großen Marathonveranstaltungen nehmen Tausende Läufer teil. Beim Berlin Marathon waren im Jahr 2010 weit mehr als 40.000 Teilnehmer gemeldet. Alleine im deutschsprachigen Raum finden fast 250 Marathonveranstaltungen statt.
Eliteläufer sammeln in den großen Marathonläufen von Berlin, London, Boston, Chicago und New York Punkte für den World – Marathon – Majors – Cup. Auch der Marathon bei den Olympischen Spielen sowie bei Leichtathletikweltmeisterschaften wird dabei berücksichtigt.

Aber auch im Breitensport gilt ein zu Ende gelaufener Marathon als das große Ziel. Durchhaltevermögen, Zähigkeit und Leistungswille werden demjenigen zugeschrieben, der einen Marathon läuft, sein Ziel und vielleicht die angestrebte persönliche Bestzeit erreicht, oder diese sogar unterbieten kann. Tatsache ist, dass Menschen, die über diese Eigenschaften nicht verfügen, sich in den seltensten Fällen den Marathon als Sportart aussuchen werden.

Marathon – ein Training, das weit über Laufen hinausgeht

Wer vor hat einen Marathon zu laufen, beginnt immer schon weit im Vorfeld mit dem geeigneten Training. Diese Vorbereitungen bestehen durchaus nicht nur im schlichten Draufloslaufen, sondern erfordern einen gut durchdachten Trainingsplan. Dieser Plan muss sich nicht nur am Ziel, sondern ganz besonders an den persönlichen Voraussetzungen des Läufers orientieren. Beginnt jemand gerade erst mit dem Langstreckenlaufen, ist ein anderer Trainingsplan nötig als für einen geübten Läufer, dessen Körper schon mit dem Laufen über längere Distanzen vertraut ist.
In jedem Fall werden sich aber unterschiedliche Wochenpläne aneinanderreihen. Lange, langsame Dauerläufe und lockere Dauerläufe mit unterschiedlich hohen Trainingspulszahlen wechseln einander ab. Es gibt Phasen, in denen Regenerationsläufe wichtig sind, aber auch Tempoläufe, Bergläufe und Intervalltrainingsphasen bringen den Trainierenden seinem Ziel, dem Erfolg bei einem Marathon, näher. Es ist sehr sinnvoll, sich mit geübten Marathonläufern oder entsprechenden Trainern zu unterhalten, ehe man in ein intensives Training einsteigt. Jeder Anfänger kann von Expertenwissen in vielerlei Hinsicht profitieren.
Auch eine vernünftige Ernährung während der Trainingsphasen für einen Marathon und ein durchdachter, ökonomischer Wechsel der Belastungs- und Entlastungsphasen ist von Bedeutung. Der Rhythmus, in welchem man die Länge Trainingsstrecken steigert, hängt eng von den bis dahin erreichten Erfolgen ab. Trainingsfehler rächen sich spätestens während des Marathon, wenn man plötzlich an einem Punkt anlangt, an dem es sich herausstellt, dass man die ökonomische Einteilung seiner Kräfte nicht ausreichend im Auge behalten hat. Garade in den Tagen direkt vor dem Marathon ist eine gute Beratung durch nichts zu ersetzen.

Nicht zuletzt ist es wichtig, genau zu bedenken und zu testen, welche Laufschuhe die richtigen Voraussetzungen mitbringen um einen Marathon in ihnen zu bestreiten. Zweifelsohne läuft man einen Marathon nicht in nagelneuen Schuhen, aber auch komplett ausgetretene Modelle sind nicht die richtigen Begleiter auf die lange Marathon Distanz. Laufkleidung für einen Marathon ist ebenfalls ein Thema zu dem es viel zu sagen, viel zu lernen und zu erfahren gibt. Auch dabei kann man Fehler machen, die man als Anfänger nicht zum tausendsten Mal wiederholen muss, wenn einem jemand der es schon besser weiß mit Rat und Tat zur Seite stehen kann. Ohnehin ist ein solch langfristiges Training besser durchzuhalten, wenn man Menschen hat, mit denen man sich über die Besonderheiten des Marathon austauschen kann. Die haben vielleicht auch schon ausprobiert wie die Flüssigkeitszufuhr während der langen 42 Kilometer aussehen muss, um nicht in ein tiefes Loch zu fallen. Wie und wo sollte jemand bereitstehen, der einem mit Proviant und den richtigen Zurufen über die schwersten Strecken hinweghilft. Wie bei so vielen Sportarten ist es auch beim Marathon eine schlichte Tatsache, dass man die Leistung am Ende ganz alleine vollbringen muss. Den richtigen Weg bis zum Start des Marathon kann man aber mit guten Helfern meistens besser finden.

Marathon – ein gesunder Sport?

Hier muss noch einmal, und diesmal fast noch eindringlicher, auf die Anmerkungen zum Training hingewiesen werden. Selbstverständlich ist Laufen eine der gesündesten Sportarten überhaupt. Vorausgesetzt das Training ist sinnvoll aufgebaut und andere Voraussetzungen, wie zum Beispiel die richtigen Laufschuhe, sind vorhanden. Noch viel mehr als für das Laufen als generelle Sportart gilt dieser Grundsatz für den Marathon. Freilich ist ein Marathon eine riesige Herausforderung für Gelenke, Knochen, Bänder, Sehnen und Muskeln. Auch das Herz-Kreislaufsystem ist während der 42 Kilometer extremen Belastungen ausgesetzt. Damit der Körper diese großen Anforderungen ohne gravierende gesundheitliche Schäden bewältigen kann, ist systematischer Aufbau der körperlichen Voraussetzungen unerlässlich. Auch mit einer solchen Vorbereitung ist ein Marathon noch immer eine große Herausforderung, ohne das entsprechende Training kann ein Marathon aber wirklich eine gesundheitliche Gefährdung darstellen. Deswegen soll hier noch einmal erwähnt sein, dass ein großer Teil eines erfolgreichen Marathon vom Kopf und der Vernunft des Läufers abhängt. Noch mehr als bei anderen Sportarten sollte sich der Marathonläufer klar machen, dass der Marathon ein absolut ganzheitliches Training voraussetzt, das den gesamten Menschen im Blick behält. Es reicht nicht, nur den Körper zu trainieren, das Bewusstsein muss mittrainieren. Denn es ist dieses Bewusstsein, dass uns hilft, wo es nicht mehr weiterzugehen scheint. Im günstigsten Fall wird es sogar mit dem “Mann mit dem Hammer” fertig.